Vielseitige Antioxidantien

Unterschiedliche Stoffe - gemeinsamer Auftrag

Antioxidantien im Futter neutralisieren nicht nur Sauerstoff und dessen reaktive Verbindungen (ROS), sondern können generell oxidierend wirkende Substanzen, insbesondere freie Radikale verschiedenen Ursprungs abfangen. Abseits der Konservierung von Fetten und Ölen, sind Antioxidantien auch im Bereich Gesundheit in aller Munde. „Superfood“ und „Green Smoothies“ sind die Schlagwörter, bei denen gesundheitsförderliche Effekte im Vordergrund stehen. In der medizinischen Fachliteratur ist bekannt und unstrittig, dass auf zellulärer Ebene vielfältige oxidative und anti-oxidative Vorgänge stattfinden. Auch hier entstehen Radikale und es existiert ein komplexes zelluläres Schutzsystem, um potentielle Schäden abzuwenden. Ebenso bekannt ist, dass dieses Systems aus dem Gleichgewicht kommen kann, was gravierende physiologischen Folgen haben kann.

Futterkonservierung - eine Frage der Mischung

In Futtermitteln werden meist BHT, BHA, EQ oder Propylgallat, oft kombiniert mit Vitaminen oder organischen Säuren eingesetzt. Die Antioxidantien unterscheiden sich in ihrem Reaktionsvermögen und bieten unterschiedliche Vorteile. Bei Mischungen ist eines jedoch besonders auffällig: Die Effekte der Einzelkomponenten summieren sich nicht einfach. Bestimmte Kombinationen zeigen positive synergistische Effekte, denn die Radikalbildung verläuft über verschiedene Stufen, in denen sich Antioxidantien gegenseitig beeinflussen. Auch die Futter-Matrix selbst stellt sehr individuelle Milieus für die unterschiedlichen Antioxidantien dar.

Mit viel Wissen und Erfahrung können Einsatzraten optimiert werden, ohne die Futterqualität zu gefährden. Zudem kümmern sich Hersteller wie Kaesler Animal Nutrition um die EU-Zulassung weiterer Alternativen.

Physiologische Bedeutung – oxidativer Stress in der Zelle

Natürliche Antioxidantien sind Teil des zellulären Radikalabwehrsystems. Man schätzt beispielsweise, dass auf jedes Low Density Lipoprotein ca. sieben Moleküle α-Tocopherol Vitamin E kommen, die die Oxidation biologischer Einheiten in der Zelle verhindern.

Freie Radikale in Zellen können Proteine denaturieren oder auch direkt die DNA schädigen, was zu fehlerhafter Proteinbiosynthese und zu ER-Stress führt. Mittelfristig reagiert das System mit der Unterdrückung der Proteinbiosynthese, langfristig schaltet das System in den programmierten Zelltod. Ursache für einen Überschuss an Radikalen kann eine erhöhte Stoffwechselbelastung sein, beispielsweise durch eine NEB oder durch subklinische entzündliche Prozesse. Auch ein Eintrag von ROS über die Futterration ist eine Ursache für oxidativen Stress. Als besonders effektive Futter-Zusätze empfehlen sich sekundäre Pflanzenstoffe speziell aus der Klasse der Polyphenole und Carotenoide, die neben ihren antioxidativen Eigenschaften auch positive Effekte bei inflammatorischen Prozessen haben. So zeigen verschiedene Studien mit Milchkühen bei der Einmischung sekundärer Pflanzenstoffe in die TMR signifikante Verbesserung der energiekorrigierten Milchleistung[i],[ii] und verschiedener ER-Stress-typischer Marker. Die dafür notwendigen Konzentrationen unterscheiden sich allerdings (0,02% versus 4,3%), auch die Hitzestabilität kann ein wichtiger Faktor sein. Möchte man gezielt den Stoffwechsel mit Antioxidantien über die Futterration positiv unterstützen, dann gilt es geeignete Substanzen also gezielt auszuwählen.

Die Quintessenz – Mit wenig Aufwand vieles verbessern

Antioxidantien dienen der Futterkonservierung, nützen aber auch im Stoffwechsel der Tiere. Mit der richtigen, auf die Matrix optimierten Kombination von Antioxidantien lassen sich Einsatzrate und Kosten senken, während gleichzeitig die Schutzwirkung erhöht wird. Mit den ausgewählten pflanzlichen Antioxidantien lassen sich Leistung und Zellstress positiv beeinflussen, und die Erhaltung des physiologischen Gleichgewichts der Tiere unterstützen.

Antioxidantien bleiben ein spannendes Thema.  

[i] Winkler et al.; Arch Anim Nutr. 2015;69(6):425-41.

[ii] Gessner et al.; J Dairy Sci. 2015 Dec;98(12):8856-68.