Moderne Tierernährung schafft mehr Tierwohl

Zwei Tage lang hatte die Kaesler Nutrition GmbH im November zum intensiven Fach-Austausch nach Cuxhaven eingeladen. Unter dem Motto „Wegweisende Tierernährung – richtig und wichtig für die Nachhaltigkeit moderner Tierhaltung“ spannte das Programm einen interessanten Bogen über den Einfluss der Fütterung auf das Tierwohl, Möglichkeiten der Ressourcenschonung durch Rationsoptimierung bis hin zu den gesellschaftlichen Herausforderungen der Branche mit dem Lebensmitteleinzelhandel und der Kommunikation im digitalen Zeitalter. Das rege Interesse der rund 100 Teilnehmer zeigte, dass die Vielfalt des Programms den Nerv der Zeit getroffen hat.

Der hohe wissenschaftliche Anspruch der Veranstaltung spiegelte sich in den 17 Experten von 9 Universitäten und Forschungsinstituten aus Deutschland, Holland, Österreich und Frankreich wieder. Ergänzt wurde das Programm durch die Referenten Prof. Bernd Hallier (Gründer European Retail Academy) und Prof. Bernhard Pörksen (Medienwissenschaftler, Universität Tübingen), die mit Ihrem Wissen zum Lebensmitteleinzelhandel und den Mechanismen eines medialen Shitstorms spannende Blicke „über den Tellerrand“ der Branche hinaus lieferten und damit für reichlich Gesprächsstoff sorgten.


Wie wichtig das Thema Sicherheit für Futtermittelzusatzstoffe und damit die gesamte Lebensmittelkette ist, stellte Dr. Christian Plath, Kaesler Nutrition GmbH, in seinem Vortrag zum Kaesler Siegel Quality & Trust vor. Gerade vor dem Hintergrund, dass viele Zusatzstoffe aus Asien kommen, ist eine enge Zusammenarbeit mit den Herstellern auf Augenhöhe wichtig. Ziel dieses einmaligen Siegels ist es, die Risiken von Kontaminationen durch vertrauensvolle, transparente und langfristig ausgelegte Geschäftsbeziehungen so gering wie möglich zu halten.


Dem Thema „Futteroptimierung ohne Rohprotein“ wurde viel Aufmerksamkeit geschenkt, denn es gibt viele gute Gründe zur Proteinabsenkung im Futter. Diese trägt nicht nur entscheidend zur Reduzierung der Stickstoffemissionen durch die Tierhaltung bei, sondern entlastet den Stoffwechsel, trägt zur Darmgesundheit bei und sorgt für mehr Flexibilität bei der Rationsgestaltung. Wie eine Futteroptimierung ohne Rohprotein aussehen kann, wurde durch die aktuellen Versuche beim Mastschwein (David Guillou, Schothorst Feed Research) und Broiler (Dr. Karl Schedle, Universität für Bodenkultur Wien) dargestellt. Beide Studien zeigten, dass es keine Qualitätseinbußen geben muss, wenn eine entsprechende  Supplementierung durch Aminosäuren erfolgt. Wie genau eine solche Supplementierung beim Broiler aussehen sollte, stellte Etienne Corrent (Ajinomoto Eurolysine S.A.S.) in seinem Übersichtsvortrag dar. Die durch einen Überschuss an Leucin hervorgerufenen Wechselwirkungen mit anderen Aminosäuren zeigte Anna Wessels (Universität Halle-Wittenberg) in Ihrem Vortrag auf. Anders als bei landwirtschaftlichen Nutztieren gibt es bei der Protein- und Aminosäurenbewertung für Pferde noch viel Forschungsbedarf, wie Prof. Anette Zeyner (Universität Halle-Wittenberg) berichtete. Als Moderator dieses Themenblocks fasste Prof. Andreas Susenbeth von der Universität Kiel zusammen, dass mit den kommerziell verfügbaren Aminosäuren eine immer stärkere Annäherung an das ideale Protein möglich ist. Wegen der Interaktionen von essentiellen und nicht essentiellen Aminosäuren ist bei weiteren Proteinabsenkungen allerdings unter Umständen eine Neubewertung des Aminosäurenbedarfs angezeigt. Die Möglichkeiten der Emissionsreduktion sind über die entsprechende Fütterung auf jeden Fall gegeben.


Die Herausforderungen in der Tierhaltung in Bezug auf das Tierwohl wurden eindrucksvoll in dem Vortrag „Klauen und Schwänze der Kühe und Schweine: was sie uns erzählen“ von Rene Pijl (Klauenpflege Meister, Jever) und Mirjam Lechner (Unabhängige EZG Hohenlohe) in zahlreichen Bildern dargestellt. Welche Mechanismen genau hinter den gezeigten Phänomenen stecken, ist eine Frage für die zukünftige Forschung. Des Weiteren wurden  stoffwechsel-assoziierte Probleme beim Geflügel (Prof. Korinna Huber, Universität Hohenheim) und beim Pferd (Dr. Ingrid Vervuert, Universität Leipzig) näher beleuchtet, wobei dem Stoffwechselstress auf Zellebene offenbar eine besondere Bedeutung zukommt. Prof. Jürgen Zentek (Freie Universität Berlin) zeigte in seinem Vortrag die vielfältigen Möglichkeiten von Diät- und Ergänzungsfuttermitteln für die Tiergesundheit auf. Grundsätzlich gelte: ein „Mehr“ ist nicht immer „besser“, das „Wann“ kann allerdings entscheidend sein. Für ein genaues Hinschauen und Verständnis für die komplexen metabolischen Prozesse in der frühen Laktation der Kuh plädierte auch Roselinde Goselink (Universität Wageningen) mit dem Ziel, die Gesundheit von Kühen und ihre Nutzungsdauer langfristig zu verbessern. Die Möglichkeiten von natürlichen Futterzusatzstoffen zur Prävention von Entzündungen beschrieb Frank Menn (LAN) in seinem Vortrag. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass Futtermittelzusatzstoffe in Zukunft eine immer größere Bedeutung bei der Vorbeugung von bestimmten Stoffwechselstörungen erlangen werden. Kaesler Animal Nutrition versorgt die internationale Futtermittelindustrie mit sicheren und hochqualitativen Zusatzstoffen, die eine wirtschaftliche Tierernährung ermöglichen und eine nachhaltige, gesunde Zukunft für Mensch, Tier und Umwelt gewährleisten. Am Stammsitz Cuxhaven und unseren weltweiten Vertretungen arbeiten 120 Menschen eng zusammen an dieser anspruchsvollen  Aufgabe.